Gernika - Der Verein
Deutsch-Baskischer Kulturverein e.V.
Aus ihrer Höhe sahen sie uns wahrscheinlich
wie Ameisen, die verzweifelt flüchteten,
Und wir konnten nicht mit ihnen sprechen,
denn Menschen und Ameisen
können sich nicht miteinander verständigen.
Aber jetzt, wenn nicht mehr einige oben und andere unten sind,
können wir uns auch in verschiedenen Sprachen verstehen.
Luis Iriondo Aurtenechea, Gernika
60. Jahrestag der Bombardierung Gernikas
Am Anfang waren die Basken. Und ihre Bemühungen um eine Aussöhnung.
Deutsche besannen sich erst spät und die offiziellen Stellen zeigten
sich zutiefst unwillig, Schuld und Verantwortung anzuerkennen - wie so
oft nach 1945.
Der 60. Jahrestag der Bombardierung markierte einen Einschnitt. Der
Brief des deutschen Bundespräsidenten Roman Herzog an die Überlebenden
in Gernika, die Bitte um Versöhnung mit dem Bekenntnis zur
Verantwortung für das Leiden der betroffenen Menschen, verwandelten die
Last der Geschichte in ein Stück Hoffnung.
Hoffnung ist bisweilen ein flüchtiges Element. Gepaart mit dem
Willen, daraus Wirklichkeit werden zu lassen, kann eine Kraft
entstehen, die der Zukunft Türen öffnet. Eine Zukunft - mit Neugier
aufeinander, die den Haß überwindet, sich in Gerechtigkeit verwurzelt
und die mit einem Selbstbewußtsein ausgestattet ist, das Mut zum
Vertrauen zeigt.
Die Entstehung des Vereins
Die Beschäftigung mit dem Thema Gernika geht in Berlin auf das Jahr
1996 zurück und auf die Städtepartnetschaft zwischen Gernika und
Pforzheim. Die IG Medien Berlin organisierte eine Ausstellung zum 60.
Jahrestag des spanischen Bürgerkriegs. Bei der Vorbereitung von
verschiedenen Veranstaltungen in diesem Rahmen stieß sie auf den
unwürdigen Umgang der deutschen Regierung(en) mit der Frage der
Anerkennung der deutschen Schuld bei der Bombardierung Gernikas, beim
Einlösen von Versprechungen und bei der Aussöhnung mit den Basken.
Dank der unkomplizierten Bereitschaft der beiden Oberbürgermeister
von Pforzheim und Gernika, Joachim Becker und Eduardo Vallejo de
Olejua, im Sommer einer Einladung nach Berlin zu folgen und an
Veranstaltungen teilzunehmen, konnte ein Anfang mit dem Engagement in
dieser Sache gemacht werden.
Für die Vorbereitung des 60. Jahrestages der Zerstörung Gernikas
bildete sich im Herbst 1996 unter breiter Beteiligung von
Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen die Initiative "60 Jahre
Gernika - Gegen das Vergessen". Es gelang der Initiative tatsächlich,
dazu beizutragen, das jahrzehntelange offizielle deutsche Schweigen zur
Zerstörung Gernikas durch die Legion Condor aufzuheben.
Die weiter gepflegten und ausgebauten Beziehungen nach Gernika, zu
Eduardo Vallejo de Olejua, zum Friedensforschungszentrum Gernika
Gogoratuz mit seinem Leiter Juan Gutiérrez und zu Überlebenden der
Bombadierung bildeten dabei das Fundament.
Zum 60. Jahrestag bereitete die Initiative ein Symposium über
"Gernika - Geschichte und Gedächtnis" vor, das im April 1997
durchgeführt wurde. Dieses Symposium, das wissenschaftliche Vorträge,
Podiumsdiskussionen, Zeitzeugenberichte und ein umfangreiches
künstlerisches Programm umfaßte, fand in der deutschen und spanischen
Presse ein bemerkenswert breites Echo.
Dieses positive Echo ermutigte uns, und die Freundschaften, die
entstanden waren, beflügelten uns, die Arbeit fortzusetzen und den
Verein zu gründen, der übrigens der erste deutsch-baskische
Kulturverein überhaupt ist. Unsere Absicht, ihn als europäischen Verein
zu gründen, konnten wir vorläufig nicht verwirklichen; das europäische
Recht ist an diesem Punkt noch nicht weit genug entwickelt.
Um diesen Mangel auszugleichen, haben wir in den Beirat, der die
Arbeit unterstützt und berät, mehrere Persönlichkeiten des baskischen
öffentlichen Lebens gewählt, und in Gernika selbst koordinieren zwei
Personen die gemeinsamen Projekte.
Wir sind dabei, den Verein aufzubauen. Wir wünschen uns Mitglieder
in beiden Ländern, die sich mit Ideen und praktischer Arbeit für
Projekte engagieren oder die die Arbeit vor allem finanziell
unterstützen wollen. Ohne Geld wird nichts aus den schönsten Ideen.
Zielsetzung
Die Zielsetzung des Vereins wird bereits durch die Namensgebung
umschrieben: Gernika Deutsch-Baskischer Kulturverein. Der 26. April
1937 stellt für uns Auftrag und Verpflichtung dar, aus der Geschichte
zu lernen, dem Vergessen vorzubeugen und die Verständigung zwischen
beiden Völkern zu fördern. Doch Gernika ist nicht nur ein Synonym für
ein deutsches Verbrechen. Gernika war und ist zugleich Symbol des
Baskentums und der Basken, Verkörperung ihrer Kultur und demokratischen
Traditionen.
Europa ist gekennzeichnet durch seine kulturelle Vielfalt, die
Unterschiede und Besonderheiten in den verschiedenen Ländern und
Regionen. Wir, die wir in diesem Europa leben, haben ein vitales
Interesse daran, diese Vielfalt zu erhalten und das Wissen darüber zu
verbreiten.
Wir verstehen uns mit unserer Arbeit als ein Teil einer Bewegung,
die Europa als das Miteinander der unterschiedlichen Völker, Regionen
und Länder in den Mittelpunkt stellt. Der Verein arbeitet an Projekten
auch in Zusammenarbeit mit anderen Trägern. Wir sind daran
interessiert, unsere Tätigkeit so breit wie möglich zu verankern, im
Baskenland und in Deutschland.
Sichtbarster Ausdruck der seit Beginn der Arbeit zu Gernika
praktizierten Zusammenarbeit mit anderen Gruppen und Institutionen ist
der Guernica-Platz im Berliner Stadtteil Zehlendorf. An der Spanischen
Allee - die 1939 von den Nationalsozialisten so benannt wurde, um an
die "Triumphe" der Legion Condor im Spanischen Bürgerkrieg zu erinnern
- hält der durch einen Beschluß des Bezirksparlaments eingeweihte Platz
das Wissen um das größte Verbrechen dieser Fliegerstaffel lebendig.
Unsere Projekte:
- dienen der Erkenntnis kultureller, geschichtlicher, sozialer, ökologischer und politischer Prozesse im beiden Ländern;
- fördern persönliche Begegnungen, den Austausch sowie die
deutsch-baskischen Beziehungen im kulturellen, wissenschaftlichen,
sozialen, ökologischen und politischen Bereich;
- erforschen, diskutieren und veröffentlichen vergleichbare
Probleme, z.B. in der historischen und kulturellen Erinnerungsarbeit,
bei der Überwindung von Vorurteilen und im Umgang mit aktuellen
Konflikten.
Constanze Lindemann
Berlin, Frühjar 1999
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